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Es tut heute noch genau so weh wie damals - Auschwitz 2009 PDF Drucken E-Mail
Der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz wird als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und Internationaler Holocaust-Gedenktag begangen. Auch in Brandenburg fand am 27. Januar eine Reihe von Veranstaltungen statt, die der zahllosen Opfer des deutschen Faschismus gedachten und vor einem Erstarken rechter Tendenzen in der Gesellschaft warnten. "Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel." heißt es im Buchenwaldschwur. Der Kampf gegen das Vergessen muss vor diesem Hintergrund tagtäglich neu geführt werden. Wir dokumentieren an dieser Stelle einen Text der Gruppe Iskra.

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Dass der 27. Januar als internationaler Holocaust-Gedenktag alle Aufmerksamkeit den Opfern schenken müsste, bedarf keiner weiteren Erklärung. Bekannt sind die Bilder aus dem Vernichtungslager Auschwitz, das zum Sinnbild der Shoa wurde, der massenhaften Vernichtung von Jüdinnen und Juden. Bekannt sind ebenfalls Berichte aus den Orten des Schreckens. Bekannt – oder etwa doch nicht – oder gewissenhaft ignoriert, wenn nicht sogar bejubelt.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich am 27. Januar immer wieder das präsentiert, gegen was es stets und ständig anzukämpfen gilt: Zum einen das Vergessen der Schrecken. Und zum anderen die Ignoranz der breiten Bevölkerung und/oder die Provokationen von Neo-Nazis. Bereits 2007 kam es zu einem Naziaufmarsch der NPD in Frankfurt (Oder) an besagtem Tag. Und auch in diesem Jahr waren Neonazis auf der Straße zu finden, um das Gedenken zu stören, so zum Beispiel in Zossen.

Es ist inakzeptabel, dass es an diesem geschichtsträchtigen Datum zu Kundgebungen neonazistischer Strömungen kommen kann. Dass während der Kundgebung in Zossen sogar gegen die Auflagen verstoßen wurde und die Polizei dennoch nicht eingriff, ist ein weiterer Erfolg für diejenigen, die sich einen Spaß daraus machen, über das Leiden der Opfer herzuziehen. Wie tief der Schmerz sitzt, machte Willi Frohbein - Auschwitzüberlebender - bei seiner Rede in Potsdam deutlich: „Es tut heute noch genau so weh wie damals, sich an die Transporte zu erinnern. [...] Für mich ist jeder Tag ein Gedenktag.“

Der LAK Shalom Brandenburg steht in tiefem Mitgefühl bei den Opfern des nationalsozialistischen Vernichtungswahns. Zugleich wenden wir uns an die Befreier_innen der Roten Armee – auch 64 Jahre danach – mit einem tiefen Dank. Unsere größte Anerkennung erhalten die Menschen, die trotz der Schrecken den Mut nicht aufgegeben haben, um gegen den Nationalsozialismus anzukämpfen – oder ihn in den Lagern zu überleben.

Unsere Aufgabe besteht heute darin, dass Vergessen und Verdrängen zu verhindern. Die Naziaktivitäten anlässlich dieses Tages sind hier nur die Spitze des Eisberges, der den Zustand der deutschen Gesellschaft nur allzu gut beschreibt. Noch immer sind rassistische Ressentiments weit verbreitet, noch immer ist antisemitische Ideologie in den Köpfen vieler Menschen. Und zugleich zeigen die Teilnehmer_innenzahlen an den Gedenkveranstaltungen anlässlich der Befreiung von Auschwitz, wie vielen Menschen eigentlich das Gedenken und Erinnern an das Grauen wichtig ist. Es ist ein minimaler Prozentsatz der Bevölkerung, obwohl die historischen Dimensionen und Konsequenzen ohne Beispiel sind.

Deshalb hört das Gedenken nicht nach dem 27. Januar auf. Es ist ganz im Gegenteil die Suche nach der Antwort auf die Frage „Wer fehlt?“, die niemals beantwortet werden kann. „Wer fehlt?“ Schon diese simple Fragestellung macht deutlich, worum es geht: „Sie hat das Potenzial, nach Ursachen, gesellschaftlichen Positionierungen, Ausschlüssen und Herrschaft zu fragen. [...] Es ist eine Welt, die verschwand. Nicht irgendeine, sondern die jüdische Welt in Europa, insbesondere in Deutschland. Die anhaltende Leere des Verschwundenen, des Vernichteten ist hartnäckig. Wer sich mit dem Abwesenden beschäftigt, dem_der springt sie ins Gesicht – in Deutschland organisiert sich quasi alles um sie herum. Kaum ein gesellschaftlich relevanter Diskurs ohne Bezugnahme auf den Nationalsozialismus, keine deutsche Stadt, keine Straße, kein Platz, kaum ein Gebäude, die nicht Bände füllen, was einmal war und nicht mehr ist. Sie sind stumme Zeug_innen der Jüd_innenverfolgung. Die Folgen der Shoa machen ganz Deutschland zu einem einzigen riesigen Stolperstein.“ (Andy Hechler)

Schlussendlich bleibt die Aufforderung an alle, sich mit der Geschichte zu beschäftigen und alle Mittel zu verwenden, die dem antisemitischen Wahn entgegen gestellt werden können.