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MAZ, PNN, Indymedia: G 200 statt G8 - es gibt kein ruhiges Hinterland PDF Drucken E-Mail
[‘solid] SKT rief am vergangenen Samstag unter dem Motto „Die Vorstadt bebt“ zum „kAufmarsch gegen G8“ auf – gemeinsam mit attac und den Kulturthaigonauten. Die kreativen Aktionen der AktivistInnen bewiesen: Widerstand gegen G8 und Kapitalismus ist überall. www.solid-brandenburg.de dokumentiert das Presseecho und zeigt Bilder von der Demo.


Indymedia

Im Zusammenhang des G8 Gipfeltreffens in Heiligendamm hat sich ein Bündnis aus attac, solid und kulturtaikonauten, in Deutschlands kinderfreundlichsten Gemeinde Kleinmachnow, zusammengefunden, um mit einer kreativen Aktion die Auswirkungen von Globalisierung und Neoliberalisierung aufzuzeigen. Die verschlafene Vorstadtromantik wurde heute Nachmittag einmal kräftig gestört.

Um 14 Uhr trafen sich die TeilnehmerInnen auf dem Rathausplatz der Gemeinde im Südwesten von Berlin. Anlass sollte nicht nur der bevorstehende Gipfel der G8 in Heiligendamm sein, sondern auch die Notwendigkeit des dauerhaften Protests verdeutlichen. An jedem Ort, auch im Hinterland, wie es der ein Redner von solid auch hervorhob. Kleinmachnow sollte unsere Bühne für eine kreative Aktion werden. Auf dem Rathausmarkt startete der Demozug durch den Ort und Ziel für eine Zwischenkundgebung sollte eine Lidl Filiale sein, wo wir einen Redebeitrag hörten, Infomaterial an die Einkäufer und Mitarbeiter verteilten und Aufsehen durch bloße Anwesenheit erregen konnten. Weiter ging es dann mit guter Laune zurück zu Rathausmarkt, der Ort für die Abschlussrede und eine Einkaufswagenmodenschau werden sollte.

Die erste Abschlussrede galt zum einen der Legitimation von Globalisierungs- und Kapitalismuskritik, sowie der Solidaritätsbekundung mit den von Hausdurchsuchungen betroffenen AktivistInnen bundesweit. Auch dem anwesenden Team Green wurde empfohlen sich auf die Seite des Protests zu schlagen, da ihre Kinder nicht nur weitblickend durch Umweltzerstörung von der Globalisierung betroffen sind, sondern auch durch die ungleiche Verteilung von Chancen in der Bildung. Im zweiten Beitrag ging es dann konkret um die Auswirkungen der post-feudalistischen Wirtschaftspolitik auf die Dritte Welt.

Den Abschluss bildete die Modenschau mit den geschmückten Einkaufswagen, die sich thematisch z.B. an den G8 Staaten und Konzernen orientierte.

Insgesamt sind wir trotz der geringen Teilnehmerzahl von ca. 25 AktivistInnen sehr zufrieden mit der Aktion, da sich zahlreiche Bürger für das Infomaterial interessiert zeigten.

WIR WERDEN AUCH WEITERHIN MIT AKTIONEN UND INFOVERANSTALTUNGEN FÜR UNRUHE SORGEN! G8 VERSENKEN! NO PASARAN! 

MAZ: Kaufmarsch gegen G 8
Globalisierungskritiker demonstrierten friedlich in Kleinmachnow

ELKE KÖGLER

KLEINMACHNOW "Es ist nicht in Ordnung, dass acht Staaten über das Schicksal der ganzen Welt entscheiden", sagt Steffen Lehnert, Ortsgruppensprecher des sozialistischen Jugendverbandes Solid. Um im Vorfeld des Treffens der "Gruppe der Acht" (G8) im Juni dagegen zu protestieren, haben Mitglieder der Ortsgruppe Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf und andere Jugendliche eine Demonstration veranstaltet. Unter dem Motto "Kaufmarsch gegen G 8" zogen die jungen Leute am Samstag durch die Straßen von Kleinmachnow.

Großen Wert legten die Demonstranten vor allem auf Kreativität sowie einen friedlichen Ablauf. So gestalteten sie Einkaufswagen und Transparente, mit denen sie ihre Protestbotschaften vermittelten. Laura Brüggemann stattete beispielsweise ihren "Biopiraterie-Wagen" mit Pflanzenmaterial und Getreidekörnern aus. Damit wendet sich die Stahnsdorferin gegen die länderübergreifende Verbreitung von genveränderten Lebensmitteln durch international agierende Großunternehmen. Viel mehr müssten die biologisch anbauenden Bauern unterstützt werden, meint Brüggemann.

"Die Leute sollten sich überlegen, welche Lebensmittel sie kaufen", meint auch der Stahnsdorfer Oliver Bastian. Würden die Menschen mehr Produkte erwerben, die unter "fairen Bedingungen" hergestellt sind, ginge es den Ärmeren finanziell besser. Mit "fair" meinen die G 8-Gegner die Einhaltung von Arbeitszeitregelungen, angemessene Bezahlung sowie einen ordnungsgemäß ausgestatteten Arbeitsplatz. Käufer von Waren, die nicht unter diesen Voraussetzungen erzeugt sind, förderten Ausbeutung und trotz Berufstätigkeit entstehende Armut.

Doch nicht nur gegen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen wenden sich die G 8-Gegener. Die Vorgehensweise Deutschlands, auf der einen Seite die Automobilindustrie zu unterstützen und sich gleichzeitig für den Klima-schutz einzusetzen, monierte Solid-Mitglied Friederike Tomm. Aber auch der Irak-Krieg der USA, das mangelnde umweltfreundliche Verhalten der industriell hoch entwickelten Staaten oder die fehlende Pressefreiheit in Russland gehörten zu den Kritikpunkten.

Über diese Themen sollten jedoch nicht allein die acht reichsten Industrienationen beraten, meinen die G 8-Gegner. Schließlich leben dort nur etwa zwölf Prozent der Weltbevölkerung. Aus diesem Grund fordern sie die G 200 – die Stärkung der Vereinten Nationen, denen fast 200 Staaten angehören. Das mache das Gremium überflüssig, dem Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, die USA und Russland angehören.

Bevor die "Großen Acht" vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm tagen, werden weitere Protestaktionen stattfinden. Zum Treffen der G 8-Außenminister am 30. Mai in der Landeshauptstadt ist – wie in Heiligendamm – eine Demonstration geplant, kündigte Daniel Poensgen, Solid-Mitglied aus Potsdam an. Und bereits am 19. Mai – anlässlich des Treffens der Finanzminister in Potsdam – wollen die G 8-Gegner auf dem Potsdamer Bassinplatz ein Open-Air-Konzert veranstalten.

PNN: „Kaufmarsch“ zum Discounter

20 Jugendliche demonstrierten gegen Globalisierung

Kleinmachnow - Bei McDonalds wird Oliver den Samstagabend nicht verbracht haben. Denn der Fastfood-Konzern sei einer der großen Profiteure der Globalisierung. Und der 18-jährige Gymnasiast hat so seine Probleme mit dem wachsenden internationalen Beziehungsgefüge: Dessen alleiniger Nutznießer sei - in einfacher Klassenkampfrhetorik gesprochen - „das Kapital“. Fast überall auf der Welt könne man unter dem großen „M“ Hamburger und Pommes essen. Die Bedingungen jedoch, unter denen die McDonalds-Beschäftigten arbeiten müssen, seien „nicht tragbar“, meint Oliver. Das habe er recherchiert. Und da außerdem die Zutaten, die in der Bulettenschmiede aufs Brötchen kommen, nicht aus biologischem Anbau seien, bekommt auch McDonalds sein Fett ab, als Globalisierungsgegner am Samstag durch Kleinmachnows Straßen zogen.

Mit 50, vielleicht sogar Demonstranten, hatte Steffen Lehnert von der ’solid-Ortsgruppe gerechnet. Am Ende sind es 20 Jugendliche, die zur Protestnote umdekorierte Einkaufswagen vom Rathaus-Markt zur Karl-Marx-Straße schieben. Die Dekorationen verlangen durchaus Interpretationsgeschick: Sie symbolisieren Anklagen gegen Gen-Produkte, sind Protest gegen die Pressezensur in Russland und den Irak-Krieg im Besonderen und gegen unreflektiertes Konsumverhalten im Allgemeinen. Aus einem Kleintransporter dröhnt Protest-Mugge: Man singt von Contra und Revolution.

Für ein „Beben in der Vorstadt“, wie es die „sozialistische Jugend“ angekündigt hat, reicht die Aktion es nicht. Trotzdem findet es Wolfgang Kreemke von der örtlichen Linkspartei „gut, dass sie es machen“ und die jungen Leute sich nach den Polizeiaktionen gegen G 8-Gegner dennoch auf die Straße wagen. So friedlich wie in Kleinmachnow wird sich die Polizei in den kommenden Tagen jede Protestaktion wünschen.

„Kaufmarsch gegen G 8“ haben die jungen Demonstranten ihren Protestzug genannt und einen Bogen von Heiligendamm nach Kleinmachnow geschlagen. Wenn sich im Juni die Vertreter der acht mächtigsten Industriestaaten in dem Ostseebad über die „Ausgestaltung der globalisierten Weltwirtschaft“ unterhalten, sollte man auch am Machnower See hinterfragen, was die Folgen der Globalisierung sind. Die Kleinmachnower, die am Samstagnachmittag ihren Wochenendeinkauf über den Rathausmarkt rollten, sollten überlegen, wo auf der Welt für den Discount im hiesigen Supermarkt letztlich der wahre Preis gezahlt wird. Ein Ehepaar, das der Protestbewegung neugierig begegnete, kam zu der Feststellung: „Naja, wir trinken Kaffee aus Südamerika ohne zu wissen, wie es dort auf den Plantagen zugeht.“

Dass es für fairen Konsum und Handel harter Überzeugungsarbeit bedarf, weiß Frederike aus ihrer eigenen Familie. Nicht immer könne sich die 18-Jährige bei ihren Eltern durchsetzen, im Biomarkt einzukaufen oder auf Fair-Trade-Etikette zu achten. Ihr ’solid-Mitstreiter Lehnert wird gleich agitieren, dass es zum Umdenken „dauerhaften Protest“ brauche - „an jedem Ort, auch im Hinterland“. Und auch am heimischen Küchentisch der jugendlichen Demonstranten. pek