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Presseerklärung: Erst Opfer rechter Gewalt, dann staatlicher Repression? (14.04.2005) PDF Drucken E-Mail

Hausdurchsuchung im Strausberger Jugendclub "Horte"

In der Nacht vom 21. zum 22. Januar explodierte erst ein Sprengsatz vor dem Bernauer Jugendclub „Dosto“, die Altlandsberger (MOL) „Erlengrundhalle“ wurde im Vorfeld eines antifaschistischen Konzertes vermutlich vom Nazikameradschaftsnetzwerk „Märkischer Heimatschutz“ beschmiert und schließlich versuchten Mitglieder der Strausberger Nazikameradschaft „ANSDAPO“ in den Jugendclub „Horte“ einzudringen. Dabei verletzten die Rechtsextremen eine Person, gegen die jetzt die Staatsanwaltschaft ermittelt. Das „Horte“ wurde gestern von über 50 zum Teil schwer bewaffneten Beamten durchsucht.

Zu den Vorfällen erklärt Norbert Müller, Mitglied des Landsvorstandes des PDS-Jugendverbandes [’solid] Brandenburg:

"Die von einem martialischen Polizeiaufgebot begleitete Hausdurchsuchung im Strausberger Jugendclub „Horte“ ist nur ein weiteres Symptom für das innenpolitische Klima, dass sich in Brandenburg in den letzten Jahren entwickelt hat.

Anstatt endlich gegen die Nazis vorzugehen, die in der Nacht vom 21. zum 22. Januar versucht hatten, in den antifaschistisch-demokratischen Jugendclub einzudringen (unter ihnen der Sohn der DVU - Landtagsabgeordneten Hesselbart), dabei sich dem ihnen ausgesprochenen Hausverbot wiedersetzten und ein Vorstandsmitglied des Trägervereins „AJP 1260 e.V.“ mit einem Nothammer verletzten, wird nun ausgerechnet gegen das Opfer des nächtlichen Übergriffs der Nazis wegen „gefährlicher Körperverletzung“ ermittelt.

Die Nazis hatten nach ihrem Rauswurf behauptet, mit Baseballschlägern aus dem Haus „geprügelt“ worden zu sein.

Gestern durchsuchte ein Großaufgebot der Polizei und des Staatsschutzes die Räumlichkeiten des Verein „AJP 1260 e.V.“ auf der Suche nach „knüppelähnlichen Gegenständen“.

Es ist schlicht nicht zu verstehen, warum jetzt 3 Monate nach den Geschehnissen nach den vermeintlichen „Knüppeln“ gesucht wird. Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, dass ein weiteres Mal ein Opfer rechter Gewalt von der Polizei zum Täter umgedeutet werden soll.

Wir fordern als engagierte AntifaschistInnen:

  • Opfer rechtsextremistischer Angriffe gehören geschützt und nicht kriminalisiert! Rechte Täter sind keine Opfer!
  • Schluss mit der staatlichen Repression gegen antifaschistisch-demokratische Jugendliche!
  • Nazikameradschaften wie die Strausberger „ANSDAPO“ oder der „Märkische Heimatschutz“ müssen verboten werden!" 

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Großaufgebot durchsucht Horte

(Märkische Oderzeitung, 14.04.2005) Strausberg.

Massiver Polizeieinsatz gestern Nachmittag in der Peter-Göring-Straße: Kleinbusse spucken vier Dutzend Bereitschaftspolizisten in voller Montur aus. Sie umstellen das Jugendzentrum Horte gegenüber der Anne-Frank-Gesamtschule, postieren sich an allen Ecken und Eingängen des zweistöckigen Gebäudes. Ein blauer Polizeitransporter mit der Aufschrift Kriminalpolizei bringt fünf Kriminaltechniker, zwei Durchsuchungsteams verschaffen sich außerdem Zugang zum Haus. Anwohner fragen sich, was diesen Großeinsatz ausgelöst hat, Gesamtschüler spötteln und verbergen ihre Sympathie für die jungen Leute vom Alternativen Jugendprojekt 1260 nicht.

Die Durchsuchungsteams konzentrieren sich auf den Jugendtreff im Erdgeschoss und die Büroräume. Die Wohnungen im Obergeschoss lassen sie unversehrt. Seine Ursache hat der massive Einsatz in einem Zwischenfall in der Nacht zum 23. Januar. Damals seien sechs stadtbekannte Rechtsextremisten in das Jugendprojekt eingedrungen, meldete danach das Demokratische Jugendforum Brandenburg. Offenkundig wurde ihr Wunsch nach Bier von den anwesenden Jugendlichen als Provokation empfunden. Es kam zu einem Handgemenge, über dessen Verlauf sich die Seiten unterschiedlich äußern. Für die Polizei, so der Sprecher des Frankfurter Präsidiums Peter Salender zur MOZ, ergab sich nach den festgestellten Verletzungen eine Anzeige wegen Körperverletzung gegen die Jugendlichen im Horte von Amts wegen.

Im Zuge des Ermittlungsverfahrens rückte gestern das Großaufgebot aus Frankfurt (Oder) in Strausberg an, um Beweise zu sichern. Speziell ging es um "geeignete Holzgegenstände", wie der Sprecher sagte. Seinerzeit war von Baseballschlägern die Rede, mit denen die Rechten aus dem Horte geprügelt worden seien.